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Gehen Sie manchmal zu Company Meetings oder mögen Sie lieber Betriebsversammlungen? Dort werden dann
die Board Members (nein, das sind keine Seeleute und auch keine Boat People), beispielsweise der CFO und der CTO – oder war's
der CIO? – über das Erreichen der Targets nach EBITDA (das sind die Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and
Amortization oder besser, der Jahresüberschuß vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und andere Success-Stories
reden. Aber erst, nachdem der CEO, also der "oberste Exekutiv-Offizier des Unternehmens" in seiner Keynote Speach, seiner
Ansprache zur Bedeutung des Share- und Stakeholder (mit Essen hat das nichts zu tun) Values, gesprochen hat. "Wir müssen
unsere Corporate Strategy dem Markt anpassen, wenn wir weiter als Global Player agieren wollen", ist in der
motivationsgeladenen Eröffnungsrede des Vorstandsvorsitzenden zu hören. Aus diesem Grund haben wir unser
HR-Department mit Herrn Günther Meyer verstärkt, der sich vor allem der Steigerung der Performance unseres Staff
und der Entwicklung einer Corporate Culture committed hat."
Geht's noch? Kennen Sie, oder? Dabei wäre es doch viel verständlicher, zu sagen, daß der
neue Abteilungsleiter im Personalwesen die Aufgabe hat, sich um Leistungsverbesserungen des Personals zu kümmern und ein
Konzept für eine neue Firmenkultur entwickeln soll.
Babylon der Begriffe
Wie viel von dem und was noch alles hören Sie sich jeden Tag an? Ich denke, da sollten wir doch eher
über die neusten EAI-Trends, über Knowledge Management, Business Process Re-Engineering, E-Procurement, Business
Intelligence, B2B, B2C oder einfach nur über die Standard Requirements im Back-Office sprechen. Wissen Sie, daß
ROI – der so oft zitierte Return on Investment – nicht mehr als die Kapitalverzinsung ist? Und TQM – Total Quality Management
– hört sich fast so an, als würde damit der totale Krieg ausgerufen. Ich weiß, das ist maßlos
übertrieben.
Im Grunde hat die SchneIllebigkeit der technischen Entwicklung uns nicht nur überrollt, auch unsere
Wörter und Begrifflichkeiten halten mit dieser Geschwindigkeit nicht mehr Schritt. Was vorgestern noch der
Chefbuchhalter war, war gestern der Controller, der seine Arbeit heute mit Business Intelligence Tools und übermorgen
mit wer weiß das
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heute für welchen Werkzeugen erledigt. Sicherlich, viele der Fachbegriffe, die wir so
inflationär benutzen, sind die Sprache der globalisierten Gesellschaft. Und da wir diese, wie so vieles, bisher aus den
USA übernommen haben, hat sich diese Unsitte klammheimlich eingeschlichen. Wenn beispielsweise ein US-Unternehmen eine
Pressemeldung in Deutschland herausgibt, machen sich die Übersetzer nur noch in den seltensten Fällen die
Mühe, die vielen Fachbegriffe und Abkürzungen zu übersetzen. Das Ergebnis ist ein Babylon der Begriffe, das
viele nachplappern, aber kaum jemand versteht.
Ein paar Unverbesserliche, die dem Irrglauben erliegen, besonders intelligent zu wirken, indem sie so oft
wie möglich mit derlei Ausdrücken um sich werfen, gibt es dennoch. Daß sie die Beschleuniger dieses Dilemmas
und daran schuld sind, daß beispielsweise den meisten Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen vor
Ehrfurcht die Sprache wegbleibt, wenn sich einer dieser Sprachakrobaten zu Wort meldet, verwundert daher nicht.
Warum scheint es nicht mehr möglich zu sein, mit einer normalen und allen verständlichen Sprache
das auszudrücken, was gesagt werden soll? Vielleicht liegt es an der zunehmenden Dynamik unserer Wirtschaft und einer
daraus entstehenden Oberflächlichkeit. Als sei niemand mehr mit der Sprache der Dichter und Denker in der Lage,
eindeutig zu formulieren. So viele große Dichter gibt's heute nicht mehr, aber heißt das auch, daß es nicht
mehr so viele gibt, die denken können? Weil sie ganz gedankenlos und unbedenklich alles übernehmen? Weil es "hipp"
ist und dem Zeitgeist entspricht?
Den Sprachfanatikern empfehlen wir, sich die Ergebnisse einer Studie von AMD und Meta Facts über den
inflationären Gebrauch von Fachbegriffen zu Herzen zu nehmen. Sie wurde erst kürzlich in China,
Großbritannien, Japan und den USA durchgeführt. Danach sind viele Menschen durch den Wust an Fachbegriffen in der
Informationstechnologie irritiert und stellen deshalb ihre Kaufentscheidungen einfach zurück. Sollte sich am Ende
herausstellen, daß denen nicht mehr zugehört wird, die täglich Fachbegriffe wie Tontauben aus einem
Schußapparat auswerfen, die niemand mehr versteht und verstehen will? Was würde dann passieren?
Ulrich Pesch/tf
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